Berichte von 07/2017

Week 2

Sonntag, 23.07.2017

Tag 8 und 9: Nanaimo, Tofino - same, same but different

Ohne Frühstück dafür aber mit genug ausreichend Zeitpuffer zwischen Aufbruch und Ankommen verließen wir mit gemischten Gefühlen Vancouver. Einerseits liegt die Stadt tatsächlich genial am Fuß der Berge und direkt an der Meeresbucht, aber überall - wirklich überall wird gebettelt oder wirres Zeug gebrüllt. Von Ecke zu Ecke wechselt sich Staunen mit Erschrecken ab.

In Nahtlosem Übergang bestiegen wir die Fähre und genossen die Aussicht - bis zum nächsten Schrecken: mein (Benni) Handy lag noch im Hostel....und so wie ich hier sitze und tippe liegt es dort immer noch.
An Bord konnte ich ein Telefon benutzen und vereinbarte mir das Handy nach Victoria schicken zu lassen. Mal sehen wie das Ende vom Lied klingen wird und ob ich Canada mit oder ohne Mobiltelefon verlassen werde....

Die Busfahrt war erfreulich - wie Sightseeing, vier Stunden durch die Natur - und so verging die Zeit auch recht schnell.



Somit in Tofino angekommen wollen wir uns jetzt ein wenig fallen lassen und den Urlaub genießen. Und wie sollte sich das besser zelebrieren lassen, als mit einem großen Korb Fish 'n Chips.

Am ersten Abend haben wir zusammen die Stadt und den angrenzenden Strand erkundet. Das Witzigste dort waren die Gezeitentümpel. Dort konnten wir Seeanemonen beobachten und Korallen beim "Essen" zusehen. Wusstet ihr, dass man das wirklich sehen kann? Es sieht aus, als ob sie ihre kleinen schwarzen Zungen rausstrecken.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt spannender und so verschiedener Landschaften, die uns in der letzten Woche umgeben haben:

 

Heute am Sonntag haben wir eine Kanutour mit einem First Nation Kanu und einer indianischen Führerin gebucht. 4 Stunden lang glitten wir fast lautlos über das Wasser. Es war ein unglaubliches Gefühl, sich von einem Native an die Hand nehmen und in eine über 5000 Jahre alte Welt entführen zu lassen. Die Stille in einem Wald umgeben von Waldriesen (2000 Jahre alten Rotzedern) war friedlich und gespenstisch zugleich und es wundert uns überhaupt nicht, dass man hier Geister sieht.

Auf dem Hinweg zur Insel wurden wir von einer Robbe begleitet, auf dem Rückweg wurden wir von zwei Seeadlern neugierig beäugt und bewacht. Tsimka, unsere Führerin sang ein traditionelles Ruderlied der Nuu-chah-nulth und wir stießen unsere nach alter Tradition geschnitzten Paddel im Gleichtakt in den Pazifik.

Das war ein absolutes Highlight und hat die letzten Tage wieder aufgewogen. Witziger Weise saßen wir mit zwei Navy-Offizieren im Boot, die in Victoria nur einen Block von unserem Hostel entfernt wohnen. Sie haben mich gleich eingeladen, während meines Praktikums einmal zum Abendessen vorbei zu kommen.

Jetzt aber erst mal eine gute Nacht aus British Columbia!

Week 1

Samstag, 15.07.2017

Tag 6 und 7: If you´re going down you´re going DOWN

Wo fängt man an zu erzählen, wenn alles schief geht und es einfach nicht aufhören will? Reiseschwierigkeiten stellen im Ausland eine viel größere Katastrophe dar... und immer noch hoffen wir irgendetwas Positives davonzutragen - wenn auch nur den Lerneffekt.

Spaziergang am Elbow River

Weltbester Riesenmilchshake bei Peter´s Drive-In

Der Donnerstag war eigentlich noch ganz in Ordnung. Wir waren zwar 3 Stunden im Casino und haben viel zu viel Geld gewonnen und verloren und gewonnen und verloren (Lerneffekt: Niemals nen Geldbeutel mitnehmen)... aber am Abend hat uns LJ zu seinen Freunden mitgenommen, wo wir wunderbar herzlich aufgenommen wurden und tolle hausgemachte Burger bekamen. Wir konnten einen spannenden Einblick in das kanadische Familienleben und den Alltag einer kanadischen Bilderbuchfamilie bekommen. Es war wirklich witzig. Dass wir uns verzockt hatten war dann abends schon fast vergessen... aber dann kam der Freitag: And if you are going down, you are going DOWN.

Als LJ und seine Mutter uns zum Flughafen fuhren, haben wir noch nichts geahnt. Etwas wehmütig haben wir uns von der Stadt verabschiedet, die im Tal hinter uns verschwand.

Dann jedoch, als wir versuchten uns am Automaten des Flughafens einzuchecken, begann das Desaster. Anstatt auf den Flug um 10:55 Uhr wollte der Automat nur Tickets für 14.00 Uhr ausspucken. Irgendwie fischig... dachten wir uns und stellten uns am Schalter an. Toll war, dass die Frau am Schalter Deutsche war, so fiel das Problemschildern viel leichter. Minuspunkt: Mehr als uns auf "Stand by" zu setzen konnte sie nicht tun. Das bedeutete dann, dass wir von nun an eine Art Freifahrschein hatten in jeden Flug nach Vancouver einzusteigen + einen 20 Dollar Meal-Voucher. Wir mussten also warten, dass jemand nicht zu seinem Flug erscheinen würde und wir den Platz bekamen. Also hieß es warten und von Gate zu Gate stromern.

Glücklicherweise konnten wir irgendwann zwei Plätze bekommen (zwar getrennt aber immerhin) und waren dann also schon gegen 2 Uhr in Vancouver. Toll, dachten wir uns - noch Zeit für´s Museum das um 5 Uhr schließt. Daran hatten wir kaum noch geglaubt.

 

MOA Museum of Anthropology

 

Aber ohje... unser Gepäck kam nicht im selben Flug mit uns mit. Also Gepäck als vermisst melden und dann zwischen zwei Optionen wählen: Warten oder Gepäck schicken lassen. Offenbar trafen wir die falsche Wahl, denn erst nach vielen Stunden rumtelefonieren und in Call-Center-Wartescheifen vergammeln, war bekannt geworden, dass nur einer der Koffer am Flughafen aufgetaucht war (22Uhr). Allerdings wurden wir angewiesen auf keinen Fall zum Flughafen zu fahren. Pfff dachten wir uns... uns doch egal! Ein Koffer ist besser als keiner! Und unser Tag in Vancouver war ja sowieso schon verloren.

Ein kleiner Lichtblick: Beide Gepäckstücke standen - wer weiß warum - einfach am Gepäckband herum. Wir haben sie zufällig gefunden - in wenigen Sekunden! Etwas das offenbar niemand in der ganzen Gepäck-Fundstelle fähig war zu tun: Bag-Tags lesen!

Juhu! Gepäck wiedergefunden!

 

Lange Story - wir hatten gar nichts von Vancouver außer einen Einblick in die heruntergekommene, gruselige Partymeile und Vancouvers Mischwelt aus Elend und eigenartiger Ignoranz.

 

 

Tag 4 und 5: Calgary Tower, old and new memories

Ist es sadistisch oder schlichtweg genial einen freischwebenden Glasboden in 163 m Höhe zu installieren? In jedem Fall haben wir todesmutig den Schritt ins scheinbar Leere gewagt und sind mit herrausragender Aussicht belohnt worden.
Selbst ein Cowboy und sein Pferd haben den unterhalterischen Wert des Calgary Towers entdeckt, und unternehmen nun jedes Jahr zur Stampede die Fahrt mit dem Aufzug.


Um zu beweisen, dass wir den Lauf über die Glasböden wagen, haben wir versucht ein Video zu drehen...das wir nach der Hälfte abbrechen mussten, weil der blöde Kasten zu schwanken begonnen hat.



LJ hat uns dann zur OLQP Ranch mitgenommen, wo wir eigentlich einen Trailride haben sollten. Als wir dann aber dort waren, hat sich Emma leider nicht dazu überreden lassen und so haben wir einfach das Gelände erkundet.
Even the Spragins charm didn't work to convince her....
Es war für LJ und mich eher traurig zu sehen, dass die Ranch aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten den Bach runter geht. Von den 37 Pferden existierten genau noch neun und statt 400 Kindern gab es diesen Sommer ganze 50.
Trotzdem war das Gelände nach wie vor atemberaubend und die Stille hat uns im Gegensatz zu den Geräuschen der Stadt einmal gut getan.



Da es auf der Ranch nichts mehr zu tun gab, sind wir danach noch zu den Elbow Falls gefahren.

 

Heute, am Mittwoch, waren wir im Fort Calgary. Vom anliegenden Museum haben wir allerdings nicht wirklich viel mitbekommen, weil wir uns mit einem dort arbeitenden, jungen Indianer und seiner Kollegin verquatscht haben.
Ihr Abteilung und ihre Arbeit beschäftigt sich mit dem Sammeln und verbreiten von Wahrheiten bzw. den Lügen der Vergangenheit, die sich bis ins heutige Zeitalter ziehen. Es war irre den beiden zuzuhören und sich in alte Welten entführen zu lassen.

 

Gerade hat Abida mich mit Henna bemalt und nun warten wir im Schatten des Hostelgartens darauf nachher von Angel abgeholt zu werden. Wir werden uns mit meinen ehmaligen Co-Workern treffen und im Asian Buffet essen gehen. (Bilder folgen)

 

 

Tag 2 und 3: Stampede and Sight-Seeing

Unser zweiter Tag in Calgary begann mit jeder Menge Trubel. Nach einem ersten kleinen Stadtrundgang mit Halt im bekannten "Lammlie´s Western Store"ging es am Mittag direkt zur Stampede, der angeblich weltgrößten Outdoor Show, ein riesengroßes Cowboy-Festival.

Im Grunde ist die Stampede ein großer amerikanisch angehauchter Jahrmarkt mit jede Menge Fahrgeschäften und Fressbuden.

Indian Village

Hufschmied-Wettbewerb und Kuh-Schönheitswettbewerb (die werden geschniegelt und gestaubsaugt)

Parade, Band auf dem Weg zum Auftritt

 

 

Die Corndogs hatten es uns direkt angetan:

Um die Atmosphäre vor allem der wirklich genialen First Nation Vorstellungen einzufangen, haben wir euch einen kleinen Einblick zusammengeschnitten. Viel Spaß!

Ich, Benni, fand besonders die Ansprachen einiger Stammesmitglieder berührend wie inspirierend. So sprach der Chief davon, dass die Blackfoot ihre Frauen immer an erster Stelle setzen, was mich an die Worte "If you want to know how civilized a culture is, look at how they treat it's women” von Bāchā Khān erinnerte. Für mich ist zuerst durch die vielen Romane und zuletzt durch diesen Abend die First Nation zu etwas geworden, zu dem ich aufschauen kann. Es hat mir wahnsinnig gut gefallen, wie sie auftreten, sich geben und der Öffentlichkeit zeigen.

Heute, am Montag waren wir im Glenbow Museum. Nach diesem tollen Einblick in die Kultur der Blackfoot bei der Stampede, konnten wir uns dort noch einige schöne aber auch schreckliche EInblicke in das indianische Leben in Alberta geben lassen. Es ist erschreckend, wie viel Unrecht in den letzten 150 Jahren geschehen ist.

Dieses Gemälde von Kent Monkman "the scream" ließ uns einige Minuten erstarren. Dass im Namen der Zivilisation und der Mission der christlichen Kirche viel Unrechtes geschah ist jedem bewusst. Dass es aber noch bis vor wirklich kurzer Zeit (1970) solche scheußlichen Taten gab, war uns nicht bewusst. Indianerkinder wurden gewaltsam und unter Androhung heftiger Strafen von ihren Familien getrennt um in christlichen Schulen wortwörtlich "von der Kultur ihrer Eltern ferngehalten zu werden".

Danach war die Ausstellung über die Blackfoot eine Erholung. Wir saßen in tollen alten Tipis auf Bisonfellen und lauschten den Geschichten.

Den Abend ließen wir gemütlich am Elbow River ausklingen und zu meiner großen Freude sahen wir am Hostelgarten sogar noch einen Praerie Dog.

Morgen geht´s zum Trailride! Der Start in diese Woche ist also mehr as vielversprechend.

 

Bis bald ihr Lieben,

Benni und Lisa

 

 

 

Tag 1: Angekommen!

Endlich haben wir es geschafft! Nach 9 1/2 Stunden Flug sind wir in Calgary gelandet. Ein besonderes Erlebnis während des Flugs war, als die andauernde Wolkendecke unter uns endlich einmal aufbrach und Grönlands Küste zum Vorschein kam. (s.o.) Wieder meiner Erwartungen sind wir tatsächlich auch durch die Customs gekommen und das obwohl der Beamte wirklich sehr bewusste und gezielte Fragen gestellt hat.

Am Flughafen abgeholt hat uns LJ. Er führte uns nach alter Tradition gleich einmal zu einem großen Eis aus und nahm uns dann mit zu sich nach Hause, wo wir Hurley und seinen Vater antrafen.

Wir sind seit gefühlt tausend (wahrscheinlich 30) Stunden wach und jetzt genauso platt wie Hurley nach unserem gemeinsamen Spaziergang. Deswegen gibt es heute keinen langen Eintrag und wir verschwinden in unsere Kojen.

Morgen geht es dann zur Stampede, dem riesigen Cowboy Festival. Und am Dienstag wurden wir spontan in mein Camp von 2012 auf einen kostenloses Trail-Ride eingeladen.

Macht es gut ihr Lieben! Ihr hört von uns!

 

Lisa und Benni

24 Stunden vorher

Freitag, 14.07.2017

Wow! Es ist soweit. Ich kann es kaum glauben, dass ich in 24 Stunden zusammen mit Benni im Flugzeug sitzen werde. Mittlerweile bin ich unerträglich aufgeregt. Ich versuche alles bis ins Detail durchzuplanen aber was ich auch probiere, es gleitet mir durch die Hände. Ich werde mich überraschen lassen müssen, wen ich von meinen Freunden und Bekannten aus Calgary wirklich wieder sehen werde. Seit einer Woche antwortet mir keiner mehr und ich weiß nicht, ob das mit meiner geplanten Reunion-Party nicht vielleicht doch in die Hose geht weil alle so unfähig scheinen, mal was zu Planen. Nur eine Woche werde ich in Calgary sein - viel zu wenig Zeit um alle zu sehen - und wenn dann keiner beim Terminfinden mithilft....

Morgen...

LJ wird uns vom Flughafen abholen und hat versprochen uns noch ein paar Stunden wach zu halten, damit wir gleich am ersten Abend beginnen können unseren Jetlag zu bekämpfen. Ich freue mich darauf, ihn wieder zu sehen. Letztes Jahr, hatte er uns hier in Deutschland besucht und wir hatten eine tolle Zeit.

Was wird wohl dieses Mal auf mich zukommen? Jedes meiner Kanada-Erlebnisse war so anders, das ich mir nur in einem sicher bin: nämlich darin, dass ich keine Ahnung habe was dieses Mal auf mich zu kommt. Ich werde zurück kommen und mich mal wieder überraschen lassen müssen wer von meinen Freunden wirklich an einer Freundschaft interessiert ist oder wer von ihnen mich vielleicht schon lange wieder vergessen hat. Sicherlich wird es viele neue Bekanntschaften geben, neue Gesichter und neue Geschichten. Ich wünsche mir sehr, ein paar alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen, aber es liegt nicht in meiner Hand. Ich kann nichts erzwingen und muss es einfach auf mich zukommen lassen.

Bald hört ihr von mir aus Kanada! Bis morgen!

 

Eure Lisa

 

 

3 days and 4 hours

Mittwoch, 12.07.2017