Berichte von 07/2017

Week 3

Sonntag, 30.07.2017

Sonntag, 06.08.2017: EIn Rückblick auf die erste Woche im Praktikum

Hallo da draußen!

Ich habe meine erste Woche im Praktikum erfolgreich hinter mich gebracht. Seit Montag sind meine Tage auch wesentlich voller und mit der Langweile war es schlagartig vorbei.

Hier ein paar Fotos von einem schönen Abend am Hafen. Chinesische Geige klingt super zum Sonnenuntergang.

Mein erster EIndruck von den Leuten im Büro war sehr positiv und das hat sich auch nach einer Woche nicht verändert. Rita und Jenn sind super. Linda, meine Chefin, auch aber ich muss sagen dass ich seit dem Angebot mit dem "zu ihr ziehen" (am allerersten Tag als wir uns kennengelernt haben) doch Spuren hinterlassen hat bei mir. Ich habe ihr schon Dienstag gesagt, dass ich im Hostel bleiben möchte. Ich genieße meine Privatsphäre und es widerstrebt mir zu fremden Menschen zu ziehen. Ich glaube Linda versucht mich ein bisschen zu adoptieren, aber das hat mit mir noch nie so wirklich funktioniert. Ich brauche meinen Freiraum und den hätte ich bei ihr nicht gehabt.

Dennoch möchte ich sagen, dass sie super lieb zu mir ist. Schon am Mittwoch hat sie bedauert, dass sie mich nicht bezahlen kann oder eben darf da ich ja kein Arbeitsvisum habe. Deshalb möchte sie mich mit jeder Menge Essen entschädigen. Seitdem nimmt sie mich jeden Mittag mit zu einem Markt, drückt mir nen Korb in die Hand und sagt: Füll ihn! Sie zahlt jeden Tag mein Mittagessen und obendrauf noch alles, wonach mir der Sinn steht. Dabei ist es nicht gestattet zu wenig zu nehmen. Immer wenn ich "höflich" sein will und nur wenig aussuche kommt sie mit noch zwei Händen voll Dingen die sie mir in den Korb legt. So kam ich diese Woche zu sehr viel frischem Gemüse und Obst, bekam zwei Mal Eis ausgegeben, mehrfach Kaffee und sogar Quiche.

Ich freue mich ziemlich darüber mich dieses Mal nicht "low budget" ernähren zu müssen. Das bedeutet hier in Kanada nämlich meist: Ungesund! Wenn ich dann doch mal was Ungesundes möchte, dann gibt es hier noch genug Burgerläden. Ich schaue dann aber immer dass ich dorthin mindestens eine halbe STunde laufen muss, damit ich den Burger gleich wieder abtrainiere.

Vielleicht werde ich also dieses Mal in Kanada zum ersten Mal nicht fett. cool

Zu meiner Arbeit:

Begonnen habe ich die Woche damit verschiedene 2D zeichnungen oder Fassade zu bearbeitet. WIr erstellen dann im Studio immer so 10 verschiedene Möglichkeiten von allem und wenn dann der Kunde kommt, dann muss er nur noch einen Berg an Bildern durchgehen und sagen welches ihm am Besten gefällt.

Ich finde besonders toll, dass ich immer wenn jemand etwas außerhalb des Studios zu erledigen hat, mitgenommen werde. Ich kenne so schon unzählige Kunden und Projekte und ich werde auch wirklich ernsthaft um Rat gefragt - sowohl von den Kunden als auch von meinen Kollegen. Es ist ein gutes Gefühl, dass ich hier so ernst genommen werde. Ich fühle mich gar nicht wie ein Student der weniger kann als meine Kollegen und noch ganz viel Lernen muss. Ich habe sogar einen Tag lang einen Kurs in Vectorworks gegeben und meine Chefin hätte gerne dass ich von Deutschland aus - dann aber gegen Bezahlung - für sie arbeite. Hier wird das 3D Zeichnen nicht gelehrt. Deshalb sind alle super baff wenn ich das, was sie auf einem Zettel aufzeichnen, dann als ein von allen Seiten anschaubares 3D Modell verwandle.

Am Ende der Woche bekam ich dann ein Großprojekt übertragen, dass ich nun ganz alleine bearbeite. Es ist auch wirklich mein Projekt und nicht so dass ich irgendjemandem zuarbeite von den "richtigen" Innenarchitekte. Meine Aufgabe ist es ein Konzept für einen offenen Officebereich zu entwerfen und 3D darzustellen. Dann wird das riesig Ausgedruclt und as Werbung für das Studio in der Stadt ausgehängt.

Der Kunde, der sich dafür interessiert oder dessen Interesse geweckt wurde, dieses Bürogebäude zu übernehmen, bekommt dann tatsächlich das Büro das ich entwickle und weiß durch die 3D Darstellung schon vor Beginn des Baus was er bekommen wird.

Die Arbeit hier ist viel entspannter als in Deutschland. Mit allen Kunden spricht man sich mit Vornamen an, nichts geschieht im Zeitdruck und freitags kriegt man von meiner Chefin "Strafen" aufgebrummt, wenn man a) zu hart arbeitet und b) nicht mindestens eine Viertelstunde vor Feierabend schon das Gebäude verlässt. Ich sag euch, das sind Zustände hier. wink Ich wurde Freitag zum Gespött aller, weil ich echt von morgens bis Abends mit nur wenigen Pausen an meinem Projekt gearbeitet habe. Das macht man hier so offenbar nicht - in Deutschland wäre das selbstverständlich.

Mein Wochenende habe ich nach dem vielen SItzen sportlich geplant. So begleitete ich Linda und eine ihrer Freundinnen am Samstag zu einer "Hiking Tour".

Was mich dann erwartete war zwar eher ein seichter Spaziergang, aber dennoch gab es viel Bewegung, Kaffee und Mittagessen inklusive und am Schluss noch einen Abstecher zu einem fernen Strand.

Heute am Sonntag war ich endlich Ausreiten. Sie packten mich zwar auf einen Anfängertrail auf ein Anfängerpferd aber dennoch war es toll wieder im Sattel zu sein. WIr sind einen 1 1/2 stündigen Trail um Elk Lake geritten mit vielen kleinen wegen und sogar einigen Brücken die gefährlich gewackelt haben. Von dem COugar vor dem alle hier gerade warnen und weshalb man eigentlich am Elk Lake gerade nicht Reiten oder Wandern soll, war nichts zu sehen. Glück gehabt.

Das hier war mein Pferd Kacey, ein Arabermix. Und suuuper langsam.

Heute Abend startet hier ein großes Event namens "Synphony Splash" Sie bauen dazu eine Bühne auf dem Wasser im Hafen auf und es wir das Orchester spielen und ein Feuerwerk geben. Ich schaue mir das nachher mal an.

Morgen gehe ich mit "Menno" einem Holländer in Sooke wandern. Mal schauen ob das etwas sportlicher wird als mit den älteren Damen.

 

Liebe Grüße an euch alle

 

Lisa

 

 

 

1st day of my internship

Back home at the hostel I need some time to take a breath because sooo much was happening today. I started working at 9:30am at the studio of Design One Stevens Interiors.

The first person to meet was the office manager Jennifer (everybody just calls her Jenn) who is great. You can easily talk to her about everythink. She even tried to find me a bakery that does German bread over here. She started showing me around the office when my boss Linda arrived. Here´s a picture of Linda, my boss:

Linda was not so talketive at first but I think she just has so much to think about and to do all day that she is allways busy. But after some time when I just felt like everybody forgot me and I sat there alone in the backroom of the office Linda gave me a job to do and then (even though I had be super shy) I realized that if you have a problem with the task she gave you or if you just have a question she will always take as much time as it takes to help you so I stopped being afraid of her at the end of the day. wink

Another person I got to know today was Rita. I could easily talk to her and we are sharing an office until the end of the week. Here´s a picture of her as well:

And some of the office and it´s nice backyard and my workplace:

And Rita´s Place

 

I was a bit shocked when shortly after lunch Linda´s husband arrived and he was making jokes and then seemed to have been talking to Linda because all of a sudden the two of them invited my to stay at their home instead of the hostel. I didn´t know what to say because this really is a tempting option, since the hostel is noisy and everything.... but still I have my total privacy here. And I didn´t want to be rude so I hoped she just wouldn´t want me to decide quickly. But after she took me o her house, which is nice, she dropped me of at the hostel and didn´t pressure me. So I can do what ever I like. She said to even split my stay and stay like 2 weeks at the hostel and then the last two weeks at her house. Right now I think I´d rather stay at the hostel for I have my privacy and I am kind of anonymous which makes it easy to relax after work is done and I enjoy the possibility to get to know people from all over the world. But at least I don´t have to decide yet. 

I feel I am going to enjoy the work at the studio and I think I´m going to learn so much more than in 6 semesters at my school. Tomorrow Linda promised to take me out on a construction side so I can see what her work is like outside the office.

See ya guys

All the best, Lisa

 

 

 

30.07.2017

Hallöchen da draußen!

Beginnen möchte ich dieses Mal mit einem kleinen 360 Grad Video der letzten Tage!

Und ein paar Impressionen von Victoria (einer sehr europäisch anmutenden Stadt).

Ich habe gerade mein erstes Wochenende alleine hinter mir und bis auf die Tatsache, dass ich mich etwas gelangweilt habe, war es gar nicht so schlimm wie erwartet. Ich konnte auch aufhören, Benni ständig zu vermissen, wenn ich meine Touren durch die Stadt gedreht habe. Nur abends, wenn man allein schlafen gehen muss und bei den Mahlzeiten merke ich es sehr. Zum Glück hat das Hostel eine super Internetverbindung, sodass wir ganz viel Skypen können - wann immer es die Zeitverschiebung eben zulässt.

Am Samstag habe ich meinen Tag an der Fisherman´s Wharf verbracht. Das sind ein paar Stege und schwimmende Häuser und dort gibt es den besten Fish and Chips Laden in Victoria, bei dem man ewig anstehen muss, aber es war es wert.

Angeblich sollte man hier auch die Seerobben füttern können. Aber seit im April die Fütterung verboten wurde haben sich wohl die Seerobben auch nicht mehr dort blicken lassen. Schade.

Auf dem Rückweg bin ich durch ein Museum über die Geschichte des Hafengeländes gestoßen, das von Indianern betrieben wurde. Sie haben mich dann für den Abend zu einer Tanzveranstaltung eingeladen. Als ich dann aber um 6 Uhr an dem Gebäude ankam, handelte es sich wohl doch nicht für eine für die Öffentlichkeit gedachte Veranstaltung. Es waren wirklich nur Indianer da und zu meinem Schrecken alle in Abendrobe. Ich bin in den Saal gekommen, völlig underdressed und wurde dann auch gar nicht beachtet. Da bin ich dann doch wieder abegedreht und habe dann im Hostel noch ein wenig Vokabeln für Innenarchitekten gelernt.

Heute am Sonntag war ich den ganzen Nachmittag spazieren. Mein eigentliches Ziel war der Streichelzoo im Beacon Hill Park, aber nachdem das Wetter so schön sonnig und heiß war bin ich dann doch beim Strand hängen geblieben und habe nach Muscheln und Steinen gestöbert.

Im Beacon Hill Park sieht es zur Zeit übrigens so aus als wäre man in der Toskana. Alles ist sehr trocken. Seit ich hier bin hat es nur einmal ein wenig Nieselregen gegeben. Ansonsten knallt die Sonne vom Himmel. Und das ist ganz schön heiß!

Morgen startet mein Praktikum und ich bin ganz schön aufgeregt. Ich bin mir nicht sicher ob ich einen guten ersten Eindruck machen werde obwohl ich mir mit dem Bügeln meiner Blusen und dem Lernen der Vokabeln einige Mühe gegeben habe. Mal sehen. Erste Eindrücke gibt es dann im nächsten Eintrag!

Bis bald!

Week 2

Sonntag, 23.07.2017

Die letzten Tage unserer gemeinsamen Reise

... waren ein wunderbares Geschenk! Wir hatten ununterbrochen Sonnenschein und alles lief endlich mal wieder glatt.

Schon wenige Tage nachdem wir in Tofino die vorbezahlten Umschläge für Bennis Handy verschickt hatten, hatten wir es wieder in der Hand. Und das obwohl wir fast schon nicht mehr daran eglaubt hatten, dass Benni Kanada mit seinem Handy verlassen würde.

Zum ersten Mal während unserer Reise hatten wir einen Private Room und es ist wirklich schwer zu beschreiben, was das für ein wunderbares Gefühl war zum ersten Mal in zwei Wochen die Tür hinter uns verschließen zu können. Keiner der uns störte oder schnarchte oder schlecht roch oder einfach nur kein Gefühl dafür hatte was es bedeutete zu Flüstern. Ruhe und Entspannung.

An unserem ersten kompletten Tag in Victoria haben wir uns auf ein Whale Watching Boot eingemietet. Dieses Mal habe ich sogar daran gedacht meine Motion Sickness Tabletten einzuwerfen. Und das war auch gut so denn mindestens 1/3 der österreichischen Rentner-Reisegruppe, die mit uns auf dem Boot waren, wurde Seasick und übergab sich spontan. Und so flüchteten sich Benni und ich aufs Deck wo es nach einer sehr holprigen Überfahrt mit Riesenwellen dann aber auch wirklich etwas zu sehen gab.

Wir hatten das große Glück eine kleine Familie von Resident Orcas vor der Küste des US Bundesstaats Washington beobachten zu können. EIn Männchen, ein Weibchen und ein sehr verspieltes Kalb. Dank des Wellengangs und natürlich auch weil man nie vorhersehen konnte, wann und wo die Orcas auftauchen würden, haben wir nur wenige Schnappschüsse zustande gebracht. Aber was wir erlebt haben war wunderbar. Wir durften sogar ein "Breaching" beobachten, bei dem der Wal komplett aus dem Wasser springt. Herrlich!

Am Donnerstag waren wir im Royal BC Museum, das mir Benni gerne zeigen wollte. Dort gab es verschiedene Austellungen und auch ein paar tolle Bereiche in denen ein Wald oder Strand mit Tieren so nachgebaut war, dass man dachte, man stände wirklich einem Grizzly gegenüber. Genauso auch eine alte Westernstadt. Hier ein paar Impressionen:

Heute ist Freitag und ein sehr trauriger Tag und es wurden schon einige Tränen vergossen. Ich komme gerade zurück vom Flughafen in Victoria. Benni musste sich auf den Rückweg nach Deutschland machen und ich bleibe noch hier für mein Praktikum. Das ist ein ganz schöner Schock auf einmal so ganz allein hier zu sein und auch ein bisschen traurig, denn unsere Zeit hier war so wunderbar und es war genial für mich zum ersten Mal jemanden dabei zu haben bei einer meiner langen Reisen und meine Abenteuer zu teilen. Und jetzt fehlt er mir schon. Auf einmal ist man doch wieder ganz anonym hier im Hostel.

Und weil das ganze doch recht überrschend über mich herein geborchen ist, habe ich beschlossen, dass es jetzt genug ist mit dem von Ort zu Ort reisen (zumindest für dieses Mal). Ursprünglich wollte ich ja nach meinem PRaktikum noch eine Woche dran hängen und allein Reisen, aber das funktioniert jetzt nicht mehr, weil ich es immer mit dieser genialen Zeit mit Benni vergleichen würde. Also werde ich wider Erwarten ein paar Tage früher nach Hause kommen, nämlcih direkt nach meinem letzten Tag im Praktikum. Also ihr Lieben: Samstag 26.08. am frühen Morgen um 07:05 Uhr werde ich in Frankfurt landen. Und ich freue mich auf mein Zuhause. Wirklich gerne wäre ich heute einfach mit Benni nach Hause geflogen. Aber jetzt heißt es Durchhalten. MEin neues Zimmer habe ich gleich heute Mittag bezogen. Es ist noch ein wenig kleiner, aber wunderbar sonnig und vor allem: Ich muss es mir mit niemandem teilen. Hier mein Reich für die nächten 4 Wochen:

Benni und ich sind am Freitag zu meinem Praktikumsunternehmen gelaufen und haben uns den Standpunkt an dem ich arbeiten werde zusammen angeschaut und es sieht wirklich nett aus. Ich denke, dass ich eine Menge lernen werde und darauf freue ich mich. Wenn nur das Beamen schon erfunden wäre, dmit ich die Wochenenden hier nicht allein verbringen muss. wink

Noch ein letztes Mal liebe Grüße von uns Beiden!

Und passt mir gut auf meinen Benni auf in Deutschland!

Gute Nacht und ein sonniges Wochenende aus Victoria!

 

Lisa (und Benni)

Tag 10 und 11:

Unseren dritten Tag in Tofino verbrachten wir mit langen Strandspaziergängen am Chesterman Beach und Eiscreme.

Endlich einmal gab es keine eigenartigen Zwischenfälle. Mit unseren Mitbewohnern hatten wir nur zur Hälfte Glück. Ein junger Reisender aus Deutschland der oft und viel schlief... und leider ein alter Australier der sehr unhygienisch war und dafür sorgte dass unser Zimmer immer furchtbar stank.

Deshalb haben wir uns lieber nach draußen geflüchtet. Wir haben uns noch eine Native Art Gallerie angesehen und schließlich einen Sonnenuntergang am Tonquin Beach beobachtet.

 

Heute, am Dienstag, hieß es dann erstmal 6 Stunden Busfahrt nach Victoria. Da wir morgens um 6 schon den Bus nahmen, hatten wir allerdings noch genug Zeit um an unserem ersten Tag hier auf Erkundung zu gehen. Bei der Suche nach einem Mittagssnack stießen wir auf ein Restaurant das "Bennys" angeboten hat. Natürlich mussten wir das gleich probieren. Es handelte sich dabei um ein mit Ei und Schinken überbackenes, dickes Maisbrot und war ziemlich gut.

Victoria, wo ich nun die nächsten fünf Wochen wohnen werde, gefällt uns ziemlich gut. Im Handumdrehen ist man in großen Parkanlagen oder am Meer.

Im Zimmerpreis inbegriffen sind Frühstück, Abendessen und ein Willkommenscocktail, den wir uns nun gleich an der Bar zu Gemüte führen werden. Zum ersten Mal während unserer Reise haben wir nun auch ein Zimmer ganz für sich. Es ist super klein, aber sehr witzig eingerichtet und hat wirklich allen nötigen Komfort. (Sogar Kühlschrank und Waschbecken. :-) ) Hier ein paar erste Impressionen:

 

von außen

von innen

 

So ihr Lieben, wir verabschieden uns mit einem sonnigen Ship Ahoy aus Victoria!

 

 

Tag 8 und 9: Nanaimo, Tofino - same, same but different

Ohne Frühstück dafür aber mit genug ausreichend Zeitpuffer zwischen Aufbruch und Ankommen verließen wir mit gemischten Gefühlen Vancouver. Einerseits liegt die Stadt tatsächlich genial am Fuß der Berge und direkt an der Meeresbucht, aber überall - wirklich überall wird gebettelt oder wirres Zeug gebrüllt. Von Ecke zu Ecke wechselt sich Staunen mit Erschrecken ab.

In Nahtlosem Übergang bestiegen wir die Fähre und genossen die Aussicht - bis zum nächsten Schrecken: mein (Benni) Handy lag noch im Hostel....und so wie ich hier sitze und tippe liegt es dort immer noch.
An Bord konnte ich ein Telefon benutzen und vereinbarte mir das Handy nach Victoria schicken zu lassen. Mal sehen wie das Ende vom Lied klingen wird und ob ich Canada mit oder ohne Mobiltelefon verlassen werde....

Die Busfahrt war erfreulich - wie Sightseeing, vier Stunden durch die Natur - und so verging die Zeit auch recht schnell.



Somit in Tofino angekommen wollen wir uns jetzt ein wenig fallen lassen und den Urlaub genießen. Und wie sollte sich das besser zelebrieren lassen, als mit einem großen Korb Fish 'n Chips.

Am ersten Abend haben wir zusammen die Stadt und den angrenzenden Strand erkundet. Das Witzigste dort waren die Gezeitentümpel. Dort konnten wir Seeanemonen beobachten und Korallen beim "Essen" zusehen. Wusstet ihr, dass man das wirklich sehen kann? Es sieht aus, als ob sie ihre kleinen schwarzen Zungen rausstrecken.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt spannender und so verschiedener Landschaften, die uns in der letzten Woche umgeben haben:

 

Heute am Sonntag haben wir eine Kanutour mit einem First Nation Kanu und einer indianischen Führerin gebucht. 4 Stunden lang glitten wir fast lautlos über das Wasser. Es war ein unglaubliches Gefühl, sich von einem Native an die Hand nehmen und in eine über 5000 Jahre alte Welt entführen zu lassen. Die Stille in einem Wald umgeben von Waldriesen (2000 Jahre alten Rotzedern) war friedlich und gespenstisch zugleich und es wundert uns überhaupt nicht, dass man hier Geister sieht.

Auf dem Hinweg zur Insel wurden wir von einer Robbe begleitet, auf dem Rückweg wurden wir von zwei Seeadlern neugierig beäugt und bewacht. Tsimka, unsere Führerin sang ein traditionelles Ruderlied der Nuu-chah-nulth und wir stießen unsere nach alter Tradition geschnitzten Paddel im Gleichtakt in den Pazifik.

Das war ein absolutes Highlight und hat die letzten Tage wieder aufgewogen. Witziger Weise saßen wir mit zwei Navy-Offizieren im Boot, die in Victoria nur einen Block von unserem Hostel entfernt wohnen. Sie haben mich gleich eingeladen, während meines Praktikums einmal zum Abendessen vorbei zu kommen.

Jetzt aber erst mal eine gute Nacht aus British Columbia!

Week 1

Samstag, 15.07.2017

Tag 6 und 7: If you´re going down you´re going DOWN

Wo fängt man an zu erzählen, wenn alles schief geht und es einfach nicht aufhören will? Reiseschwierigkeiten stellen im Ausland eine viel größere Katastrophe dar... und immer noch hoffen wir irgendetwas Positives davonzutragen - wenn auch nur den Lerneffekt.

Spaziergang am Elbow River

Weltbester Riesenmilchshake bei Peter´s Drive-In

Der Donnerstag war eigentlich noch ganz in Ordnung. Wir waren zwar 3 Stunden im Casino und haben viel zu viel Geld gewonnen und verloren und gewonnen und verloren (Lerneffekt: Niemals nen Geldbeutel mitnehmen)... aber am Abend hat uns LJ zu seinen Freunden mitgenommen, wo wir wunderbar herzlich aufgenommen wurden und tolle hausgemachte Burger bekamen. Wir konnten einen spannenden Einblick in das kanadische Familienleben und den Alltag einer kanadischen Bilderbuchfamilie bekommen. Es war wirklich witzig. Dass wir uns verzockt hatten war dann abends schon fast vergessen... aber dann kam der Freitag: And if you are going down, you are going DOWN.

Als LJ und seine Mutter uns zum Flughafen fuhren, haben wir noch nichts geahnt. Etwas wehmütig haben wir uns von der Stadt verabschiedet, die im Tal hinter uns verschwand.

Dann jedoch, als wir versuchten uns am Automaten des Flughafens einzuchecken, begann das Desaster. Anstatt auf den Flug um 10:55 Uhr wollte der Automat nur Tickets für 14.00 Uhr ausspucken. Irgendwie fischig... dachten wir uns und stellten uns am Schalter an. Toll war, dass die Frau am Schalter Deutsche war, so fiel das Problemschildern viel leichter. Minuspunkt: Mehr als uns auf "Stand by" zu setzen konnte sie nicht tun. Das bedeutete dann, dass wir von nun an eine Art Freifahrschein hatten in jeden Flug nach Vancouver einzusteigen + einen 20 Dollar Meal-Voucher. Wir mussten also warten, dass jemand nicht zu seinem Flug erscheinen würde und wir den Platz bekamen. Also hieß es warten und von Gate zu Gate stromern.

Glücklicherweise konnten wir irgendwann zwei Plätze bekommen (zwar getrennt aber immerhin) und waren dann also schon gegen 2 Uhr in Vancouver. Toll, dachten wir uns - noch Zeit für´s Museum das um 5 Uhr schließt. Daran hatten wir kaum noch geglaubt.

 

MOA Museum of Anthropology

 

Aber ohje... unser Gepäck kam nicht im selben Flug mit uns mit. Also Gepäck als vermisst melden und dann zwischen zwei Optionen wählen: Warten oder Gepäck schicken lassen. Offenbar trafen wir die falsche Wahl, denn erst nach vielen Stunden rumtelefonieren und in Call-Center-Wartescheifen vergammeln, war bekannt geworden, dass nur einer der Koffer am Flughafen aufgetaucht war (22Uhr). Allerdings wurden wir angewiesen auf keinen Fall zum Flughafen zu fahren. Pfff dachten wir uns... uns doch egal! Ein Koffer ist besser als keiner! Und unser Tag in Vancouver war ja sowieso schon verloren.

Ein kleiner Lichtblick: Beide Gepäckstücke standen - wer weiß warum - einfach am Gepäckband herum. Wir haben sie zufällig gefunden - in wenigen Sekunden! Etwas das offenbar niemand in der ganzen Gepäck-Fundstelle fähig war zu tun: Bag-Tags lesen!

Juhu! Gepäck wiedergefunden!

 

Lange Story - wir hatten gar nichts von Vancouver außer einen Einblick in die heruntergekommene, gruselige Partymeile und Vancouvers Mischwelt aus Elend und eigenartiger Ignoranz.

 

 

Tag 4 und 5: Calgary Tower, old and new memories

Ist es sadistisch oder schlichtweg genial einen freischwebenden Glasboden in 163 m Höhe zu installieren? In jedem Fall haben wir todesmutig den Schritt ins scheinbar Leere gewagt und sind mit herrausragender Aussicht belohnt worden.
Selbst ein Cowboy und sein Pferd haben den unterhalterischen Wert des Calgary Towers entdeckt, und unternehmen nun jedes Jahr zur Stampede die Fahrt mit dem Aufzug.


Um zu beweisen, dass wir den Lauf über die Glasböden wagen, haben wir versucht ein Video zu drehen...das wir nach der Hälfte abbrechen mussten, weil der blöde Kasten zu schwanken begonnen hat.



LJ hat uns dann zur OLQP Ranch mitgenommen, wo wir eigentlich einen Trailride haben sollten. Als wir dann aber dort waren, hat sich Emma leider nicht dazu überreden lassen und so haben wir einfach das Gelände erkundet.
Even the Spragins charm didn't work to convince her....
Es war für LJ und mich eher traurig zu sehen, dass die Ranch aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten den Bach runter geht. Von den 37 Pferden existierten genau noch neun und statt 400 Kindern gab es diesen Sommer ganze 50.
Trotzdem war das Gelände nach wie vor atemberaubend und die Stille hat uns im Gegensatz zu den Geräuschen der Stadt einmal gut getan.



Da es auf der Ranch nichts mehr zu tun gab, sind wir danach noch zu den Elbow Falls gefahren.

 

Heute, am Mittwoch, waren wir im Fort Calgary. Vom anliegenden Museum haben wir allerdings nicht wirklich viel mitbekommen, weil wir uns mit einem dort arbeitenden, jungen Indianer und seiner Kollegin verquatscht haben.
Ihr Abteilung und ihre Arbeit beschäftigt sich mit dem Sammeln und verbreiten von Wahrheiten bzw. den Lügen der Vergangenheit, die sich bis ins heutige Zeitalter ziehen. Es war irre den beiden zuzuhören und sich in alte Welten entführen zu lassen.

 

Gerade hat Abida mich mit Henna bemalt und nun warten wir im Schatten des Hostelgartens darauf nachher von Angel abgeholt zu werden. Wir werden uns mit meinen ehmaligen Co-Workern treffen und im Asian Buffet essen gehen. (Bilder folgen)

 

 

Tag 2 und 3: Stampede and Sight-Seeing

Unser zweiter Tag in Calgary begann mit jeder Menge Trubel. Nach einem ersten kleinen Stadtrundgang mit Halt im bekannten "Lammlie´s Western Store"ging es am Mittag direkt zur Stampede, der angeblich weltgrößten Outdoor Show, ein riesengroßes Cowboy-Festival.

Im Grunde ist die Stampede ein großer amerikanisch angehauchter Jahrmarkt mit jede Menge Fahrgeschäften und Fressbuden.

Indian Village

Hufschmied-Wettbewerb und Kuh-Schönheitswettbewerb (die werden geschniegelt und gestaubsaugt)

Parade, Band auf dem Weg zum Auftritt

 

 

Die Corndogs hatten es uns direkt angetan:

Um die Atmosphäre vor allem der wirklich genialen First Nation Vorstellungen einzufangen, haben wir euch einen kleinen Einblick zusammengeschnitten. Viel Spaß!

Ich, Benni, fand besonders die Ansprachen einiger Stammesmitglieder berührend wie inspirierend. So sprach der Chief davon, dass die Blackfoot ihre Frauen immer an erster Stelle setzen, was mich an die Worte "If you want to know how civilized a culture is, look at how they treat it's women” von Bāchā Khān erinnerte. Für mich ist zuerst durch die vielen Romane und zuletzt durch diesen Abend die First Nation zu etwas geworden, zu dem ich aufschauen kann. Es hat mir wahnsinnig gut gefallen, wie sie auftreten, sich geben und der Öffentlichkeit zeigen.

Heute, am Montag waren wir im Glenbow Museum. Nach diesem tollen Einblick in die Kultur der Blackfoot bei der Stampede, konnten wir uns dort noch einige schöne aber auch schreckliche EInblicke in das indianische Leben in Alberta geben lassen. Es ist erschreckend, wie viel Unrecht in den letzten 150 Jahren geschehen ist.

Dieses Gemälde von Kent Monkman "the scream" ließ uns einige Minuten erstarren. Dass im Namen der Zivilisation und der Mission der christlichen Kirche viel Unrechtes geschah ist jedem bewusst. Dass es aber noch bis vor wirklich kurzer Zeit (1970) solche scheußlichen Taten gab, war uns nicht bewusst. Indianerkinder wurden gewaltsam und unter Androhung heftiger Strafen von ihren Familien getrennt um in christlichen Schulen wortwörtlich "von der Kultur ihrer Eltern ferngehalten zu werden".

Danach war die Ausstellung über die Blackfoot eine Erholung. Wir saßen in tollen alten Tipis auf Bisonfellen und lauschten den Geschichten.

Den Abend ließen wir gemütlich am Elbow River ausklingen und zu meiner großen Freude sahen wir am Hostelgarten sogar noch einen Praerie Dog.

Morgen geht´s zum Trailride! Der Start in diese Woche ist also mehr as vielversprechend.

 

Bis bald ihr Lieben,

Benni und Lisa

 

 

 

Tag 1: Angekommen!

Endlich haben wir es geschafft! Nach 9 1/2 Stunden Flug sind wir in Calgary gelandet. Ein besonderes Erlebnis während des Flugs war, als die andauernde Wolkendecke unter uns endlich einmal aufbrach und Grönlands Küste zum Vorschein kam. (s.o.) Wieder meiner Erwartungen sind wir tatsächlich auch durch die Customs gekommen und das obwohl der Beamte wirklich sehr bewusste und gezielte Fragen gestellt hat.

Am Flughafen abgeholt hat uns LJ. Er führte uns nach alter Tradition gleich einmal zu einem großen Eis aus und nahm uns dann mit zu sich nach Hause, wo wir Hurley und seinen Vater antrafen.

Wir sind seit gefühlt tausend (wahrscheinlich 30) Stunden wach und jetzt genauso platt wie Hurley nach unserem gemeinsamen Spaziergang. Deswegen gibt es heute keinen langen Eintrag und wir verschwinden in unsere Kojen.

Morgen geht es dann zur Stampede, dem riesigen Cowboy Festival. Und am Dienstag wurden wir spontan in mein Camp von 2012 auf einen kostenloses Trail-Ride eingeladen.

Macht es gut ihr Lieben! Ihr hört von uns!

 

Lisa und Benni

24 Stunden vorher

Freitag, 14.07.2017

Wow! Es ist soweit. Ich kann es kaum glauben, dass ich in 24 Stunden zusammen mit Benni im Flugzeug sitzen werde. Mittlerweile bin ich unerträglich aufgeregt. Ich versuche alles bis ins Detail durchzuplanen aber was ich auch probiere, es gleitet mir durch die Hände. Ich werde mich überraschen lassen müssen, wen ich von meinen Freunden und Bekannten aus Calgary wirklich wieder sehen werde. Seit einer Woche antwortet mir keiner mehr und ich weiß nicht, ob das mit meiner geplanten Reunion-Party nicht vielleicht doch in die Hose geht weil alle so unfähig scheinen, mal was zu Planen. Nur eine Woche werde ich in Calgary sein - viel zu wenig Zeit um alle zu sehen - und wenn dann keiner beim Terminfinden mithilft....

Morgen...

LJ wird uns vom Flughafen abholen und hat versprochen uns noch ein paar Stunden wach zu halten, damit wir gleich am ersten Abend beginnen können unseren Jetlag zu bekämpfen. Ich freue mich darauf, ihn wieder zu sehen. Letztes Jahr, hatte er uns hier in Deutschland besucht und wir hatten eine tolle Zeit.

Was wird wohl dieses Mal auf mich zukommen? Jedes meiner Kanada-Erlebnisse war so anders, das ich mir nur in einem sicher bin: nämlich darin, dass ich keine Ahnung habe was dieses Mal auf mich zu kommt. Ich werde zurück kommen und mich mal wieder überraschen lassen müssen wer von meinen Freunden wirklich an einer Freundschaft interessiert ist oder wer von ihnen mich vielleicht schon lange wieder vergessen hat. Sicherlich wird es viele neue Bekanntschaften geben, neue Gesichter und neue Geschichten. Ich wünsche mir sehr, ein paar alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen, aber es liegt nicht in meiner Hand. Ich kann nichts erzwingen und muss es einfach auf mich zukommen lassen.

Bald hört ihr von mir aus Kanada! Bis morgen!

 

Eure Lisa

 

 

3 days and 4 hours

Mittwoch, 12.07.2017